Nachruf für Jens Martens vom GPF Europe Vorstand: Analytisch klar, konstruktiv im Denken, verbindlich im Ton – Jens Martens Arbeit war ein Gegenentwurf zur Erregungskultur

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Foto für Vorstand Jens Martens
Foto für Vorstand Jens Martens

Viel zu früh hat Jens Martens diese Welt verlassen. Eine Welt, in der Menschen wie er dringender denn je gebraucht werden. Jens hätte das von sich gewiesen, war doch seine ausgeprägte Bescheidenheit einer seiner wesentlichen Charakterzüge. Die kleineren und größeren Veranstaltungen zu seiner Verabschiedung als geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Global Policy Forum Europe im Sommer 2025 haben ihn gefreut, besonders weil sie ihm ein Wiedersehen mit vielen Weggefährt:innen seines jahrzehntelangen Wirkens bescherten. Zugleich waren ihm die Inhalte seiner Arbeit wichtiger, als eine öffentliche Person zu sein.

Denn Jens ging es in seiner Arbeit nie um sich – oder darum, sich zu profilieren. Er war der Sache, für die er sich sein Leben lang einsetzte, verpflichtet. Es ging ihm darum, die Welt zu einem gerechteren Ort zu machen, zu einem Ort, an dem alle Menschen eine echte Chance auf ein menschenwürdiges Leben haben. Sein Bestreben war dabei stets, nicht bloß Symptome zu bekämpfen oder zu lindern, sondern an den Wurzeln der Ungerechtigkeit anzusetzen. Ihm ging es darum, die Strukturen zu verändern, die Staaten und Gesellschaften miteinander verbinden und die bis heute durch weit in die Historie zurückreichende Machtungleichgewichte geprägt sind. 

Seine Hoffnung setzte er zeitlebens auf die Vereinten Nationen, auch wenn er diese nie durch die rosarote Brille betrachtete, sondern in ihrer Entwicklung ebenso kritisch wie wohlwollend konstruktiv begleitete. Unsere Wege kreuzten sich erstmals in den 1990er Jahren, einem Jahrzehnt voller Hoffnung. Eine fairere globale Ordnung, die Verwirklichung der Menschenrechte – politisch, sozial und kulturell – erschienen nach dem Ende des Kalten Krieges plötzlich in Reichweite. Global Governance lautete das neue Zauberwort, um den voranschreitenden Globalisierungsprozess so zu gestalten, dass am Ende nicht nur die reichsten Staaten und Konzerne die Profiteure sind. Weltkonferenzen führten zu wegweisenden internationalen Abkommen und Institutionen. Der Fortschritt war auch in dieser Zeit kein Selbstläufer – wie der Titel des Buchbandes „UN-williges Deutschland“, das Jens 1997 mit herausgab – mit einem Adjektiv verdeutlichte. Aber er war möglich.

Jens war kein Mensch der lauten Töne oder der Maximalforderungen. In seinen grundlegenden Überzeugungen war er fest und klar, im Ringen nach den besten Lösungen war er offen. Dabei sah er stets auch in mühsam errungenen Kompromissen das zarte Pflänzchen, das gesetzt worden war und nun hoffentlich wachsen und gedeihen konnte.

Jens verlor nie die Zuversicht. Auch als die Euphorie der 1990er Jahre spätestens nach dem 11. September 2001 einer breiten Ernüchterung gewichen war, setzte er seine Arbeit beharrlich fort. Den Rückschritten in der Ausgestaltung gerechter internationaler Beziehungen setzte er unermüdlich kreative Ideen, kluge Argumente und gründlich recherchierte Fakten entgegen. Das von ihm 2001 mit herausgegebene Buch „Die Privatisierung der Weltpolitik“ ist ein Beispiel hierfür.  Sein Wirken bestand vor allem darin, Zusammenhänge aufzuzeigen, sie präzise zu analysieren, machbare Lösungsansätze zu erarbeiten und sie verständlich, differenziert und fundiert zu vertreten. Damit wurde er zum geschätzten Ratgeber, nicht nur in der NGO-Szene, sondern auch gegenüber den Staaten, deren Politik er so häufig kritisierte. Er war die treibende und vereinigende Kraft in vielen Initiativen und Projekten – aber er wirkte nicht allein. Es war ihm vor allem wichtig, nicht aus der Perspektive des Globalen Nordens zu agieren, sondern mit Partner:innen aus aller Welt zusammenzuwirken.

Jens lebte für sein politisches Engagement – aber ebenso für seine Familie, die ihm alles bedeutete. Zudem pflegte er auch seine vielfältigen weiteren Interessen etwa im Bereich der Kunst und Kultur. Dies alles machte ihn zu dem überaus liebenswerten Menschen, dessen Gesellschaft wir in den letzten Jahrzehnten immer wieder genießen durften.

Jens, wir werden Dich vermissen!

Prof. Dr. Tanja Brühl, Lea Kammler, Dr. Michèle Roth, Dr. Klaus Schilder, Dr. Antje Schultheis, Verena Winkler 

Der Vorstand von Global Policy Forum Europe, Mai 2026