Booster für die Globale Nachhaltigkeitspolitik dringend gesucht: Bericht vom HLPF 2026

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Sarah Ganter

In Zeiten wie diesen kann es schon politisch mutig sein, die langfristigen Ziele im Kampf für eine bessere Welt nicht aus dem Blick zu verlieren. Trotz des Backlashs gegen die globale Nachhaltigkeitspolitik kamen vom 7. bis 15. Juli 2026 Regierungsvertreter:innen und Interessengruppen beim jährlich stattfindenden High-level Political Forum on Sustainable Development (HLPF) in New York  zusammen, um über den Stand der Umsetzung und die Zukunft der Agenda 2030 zu beraten.

Dieser Beitrag fasst die zentralen Ergebnisse zusammen.

Globale Nachhaltigkeitspolitik bleibt das zentrale verbindende Element des UN-basierten Multilateralismus 

Trotz der widrigen Umstände ist die globale Nachhaltigkeitsbewegung sehr lebendig. 36 Länder legten freiwillige Staatenberichte zur Umsetzung der Agenda 2030, sogenannte Voluntary National Reviews (VNRs), vor. Städten und Kommunen kommt im Umsetzungsprozess eine Schlüsselrolle zu. Die Fortschritte wurden in zahlreichen lokalen Nachhaltigkeitsberichten (Voluntary Local Reviews) präsentiert. 

Im Mittelpunkt des diesjährigen Forums standen die SDGs 6 (Wasser und Sanitärversorgung), 7 (Energie), 9 (Infrastruktur, Industrialisierung und Innovation), 11 (nachhaltige Städte und Kommunen) und 17 (Globale Partnerschaften). Auf den Fluren und in Side Events fanden außerdem erste Diskussionen über Szenarien einer Fortführung des Prozesses über die Zielmarke von 2030 hinaus statt.

Die gegenwärtige Implementierungsbilanz ist ernüchternd

Nur bei 36 Prozent der 139 messbaren Zielvorgaben des SDG-Katalogs geht die Umsetzung überhaupt voran. Das dokumentiert der jährlich im Vorfeld des HLPF veröffentlichte SDG-Report der Vereinten Nationen. Bei 46 Prozent gibt es wenig Fortschritte und 15 Prozent sind sogar hinter den Stand von 2015 zurückgefallen. Jeder zehnte Mensch lebt weltweit in extremer Armut und 2,3 Milliarden Menschen sind von Ernährungsunsicherheit betroffen. 

Angesichts dieser Zahlen und einer Finanzierungslücke von vier Billionen US-Dollar wird immer wieder eine gemeinsame Kraftanstrengung der internationalen Staatengemeinschaft gefordert. Nur durch eine deutlich beschleunigte Umsetzung können die Ziele in den verbleibenden vier Jahren noch erreicht werden.

Natürlich gab es seit 2015 auch Fortschritte. In Zeiten überlappender globaler Krisen wäre die Welt ein sehr viel schlechterer Ort, wenn es die gemeinsamen Bemühungen im Rahmen der Agenda 2030 nicht gäbe. Beispielsweise ist 2026 erstmals mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in mindestens einer Dimension sozial abgesichert, auch wenn die Verteilung sehr ungleich bleibt. Verbesserungen gab es auch im Gesundheitsbereich, in der Versorgung mit sauberem Trinkwasser, dem Zugang zu Elektrizität und der Bekämpfung von Kinder- und Müttersterblichkeit. 

Wichtige Stimmen fehlten im breiten Partizipationsprozess

Das HLPF und die Umsetzung der globalen Nachhaltigkeitsziele leben von der Teilnahme der sogenannten Major Groups. Die Agenda 2030 bringt 21 verschiedene Interessengruppen zusammen – von zivilgesellschaftlichen Organisationen über Jugendverbände und indigene Gemeinschaften bis hin zu Kommunalvertreter:innen. 

Aufgrund von Kürzungen, restriktiver Visumspolitik und insgesamt schwindenden Räumen für die Beteiligung von Nichtregierungsorganisationen fehlten in diesem Jahr wichtige Akteure insbesondere aus dem sogenannten Globalen Süden.

Die USA sind in ihrer Ablehnung der globalen Nachhaltigkeitsagenda weitgehend isoliert

Mit Spannung erwartet wurde die Verabschiedung der ministeriellen Erklärung zum Abschluss des dreitägigen hochrangigen Treffens am Ende des HLPF. Diese wird in der Regel im Konsens angenommen. 2025 kam es hier zum Showdown, als die USA auf einer Abstimmung bestanden und zusammen mit Israel gegen die Erklärung stimmten. 

2026 blieb der Eklat aus, das Dokument wurde im Konsens angenommen, was aber nicht bedeutet, dass die USA ihre Position grundsätzlich geändert haben und dem Prozess in Zukunft positiv gegenüberstehen. Insgesamt zeigen neue Untersuchungen im Rahmen des diesjährigen Sustainable Development Report, dass nachhaltigkeitsbezogene Resolutionen in der UN-Generalversammlung insgesamt breite Unterstützung erfahren und die USA und Argentinien die einzigen Länder sind, die diese regelmäßig blockieren.  

Der Fokus liegt auf den (fehlenden) Mitteln für die Umsetzung

Wenig überraschend ist die Finanzierungslücke von vier Billionen US-Dollar das zentrale Thema in der ministeriellen Abschlusserklärung. 2025 sind die Mittel für die offizielle Entwicklungszusammenarbeit um fast ein Viertel gefallen und damit zurück auf das Niveau zu Beginn der Agenda 2030. 

Betont wird deshalb die dringende Reform der internationalen Finanzarchitektur, substanzielle Schuldenerlasse und ein besserer Zugang zu erschwinglichen Finanzmitteln im Zuge der Umsetzung der Verpflichtungen aus dem Sevilla-Prozess. Reformvorhaben zur Mobilisierung zusätzlicher Mittel durch eine verbesserte Besteuerung von multinationalen Konzernen und Superreichen, wie sie gegenwärtig im Rahmen der UN-Steuerkonvention verhandelt werden, bleiben in der Erklärung hingegen unerwähnt. 

Wie geht es weiter?

Wer auch immer António Guterres im Generalsekretariat der Vereinten Nationen Ende des Jahres nachfolgt, wird sich daran messen lassen müssen, ob es gelingt, ein neues Momentum für die Agenda 2030 zu erzeugen. Eine beschleunigte Umsetzung kann nur gelingen, wenn die Erfolgsbedingungen stärker in den Blick genommen werden. Es geht darum, die internationalen Handels- und Finanzbeziehungen und lokale Produktionsverhältnisse in den Dienst globaler Nachhaltigkeit zu stellen. 

Alle vier Jahre findet das HLPF unter der Schirmherrschaft der UN-Generalversammlung statt. 2027 ist es wieder soweit. Spätestens dann müssen Weichenstellungen für die Weiterführung des Prozesses über 2030 hinaus vorgenommen werden. Die Aufgaben sind groß, die Zeit ist knapp.