Seit Jahrzehnten gilt das Bruttoinlandsprodukt (BIP) als Hauptindikator, um wirtschaftliche Entwicklung und Fortschritt zu beurteilen. Gleichzeitig ist seit Langem bekannt: das BIP eines Landes bildet nur einen Ausschnitt gesellschaftlicher Entwicklung ab. So wächst das BIP auch, wenn nur ein kleiner Teil einer Gesellschaft seinen Wohlstand ohne Rücksicht auf ökologische und soziale Folgen mehrt, während sich die soziale Schere weiter öffnet. Aspekte wie Verteilung, soziale Sicherheit, Inklusivität und Nachhaltigkeit des Wirtschaftens werden nicht abgebildet. Um Entwicklungen in Bezug auf das Zusammenspiel von sozialer, ökologischer und ökonomischer Nachhaltigkeit bewerten zu können, greift der Indikator zu kurz. Es braucht deshalb neue Messkategorien. Und nicht nur das: es braucht auf dieser Grundlage politische Gestaltung, die unsere Wirtschaftsmodelle am Ziel globaler Nachhaltigkeit und sozialer Inklusion orientiert.
Vor diesem Hintergrund haben die Vereinten Nationen im Rahmen des „Pact for the Future“ eine hochrangige Expert:innengruppe eingesetzt, um neue, zusätzliche Indikatoren „Beyond GDP“ zu entwickeln. Mit „Counting what counts – A Compass of Progress for People and Planet“ haben die Expert:innen im Mai 2026 einen Bericht vorgelegt. Darin präsentieren sie ein neues Dashboard mit Indikatoren, die anschlussfähig an die Nachhaltigen Entwicklungsziele sind, sowie konkrete politische Umsetzungsempfehlungen. Diese sollen in der Folge in einem zwischenstaatlichen Prozess diskutiert werden. Bei der 4. Konferenz zur Entwicklungsfinanzierung in Sevilla hatte sich bereits eine globale Allianz von über 30 Staaten zusammengetan, die das Vorhaben weiter vorantreiben wollen.
Im Rahmen des Fachgesprächs werden die Ergebnisse des Berichts vorgestellt und perspektivisch diskutiert. Zusammen mit Vertreter:innen aus Politik, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Wirtschaft wollen wir darüber sprechen, worauf es beim nachhaltigen Wirtschaften ankommt, welche Rolle Indikatoren spielen, und was daraus für die politische Umsetzung der globalen Nachhaltigkeitsziele und der Gestaltung der Beyond 2030 Agenda folgt.
Bei Interesse bitten wir um Anmeldung bis zum 31. Mai per Email: sarahganter@globalpolicy.org
Programm
Begrüßung und Einführung
- Markus Schleyer, Friedrich-Ebert-Stiftung (FES)
- Sarah Ganter, Global Policy Forum Europe (GPFE)
Input
„Counting what counts“ – Präsentation des Reports und des neuen Dashboards der UN High-Level Expert Group on Beyond GDP
- Naila Kabeer, London School of Economics, Mitglied der UN High-Level Expert Group on Beyond GDP
Reaktionen
- Sebastian Dullien, Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) (tbc)
- Irene Garcia, United Nations Development Programme (UNDP)
- Lars Castellucci, Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD), MdB (tbc)
- Marianne Beisheim, Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) und Global Sustainable Development Report
- Lars Wilke, Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
- Ulrich Nicklas, Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN)
- Daniela Kolbe, Deutscher Gewerkschaftsbund Sachsen (DGB Sachsen), Vorsitzende der Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“ (2011–2013)
Diskussion
- Moderation: Sarah Ganter, Global Policy Forum Europe (GPFE)
Schlussworte
- Katja Hujo, United Nations Research Institute for Social Development (UNRISD)
- Marie-Luise Abshagen, Forum Umwelt und Entwicklung (FUE)
